Textauszug: Nur ein Boxer kann das!

Die Vier schlafen noch wunderbar, als sie am frühen Morgen von einem Gebrüll unsanft geweckt und dann schrecklich durchgeschüttelt werden, dass sie aus den Betten fallen! Es ist das Starten der Raketentriebwerke, durch die die vier aufgewacht. Es ist nicht nur der schreckliche Lärm, der sie weckt, sondern auch das Rütteln und Schütteln!

<Das kann doch wohl nicht wahr sein! Ist etwa der Kerl, dieser Hund, ohne sich zu verabschieden und ohne nochmals zu schauen, mir nichts dir nichts losgeflogen?> schreit Papa Joe gegen den Lärm der Raketenmotoren. <Jetzt sind wir in der Rakete drin und der Hund fliegt einfach mit uns fort.>

<Sind wir denn im Kofferraum drin?> fragt Chris, halb schlafend, halb wach.

<Keine Ahnung, vielleicht kann man das so nennen. Nein. Wir wollen doch gar nicht nach Doggenmark!>

<Oh jeoje!> ruft die Prinzessin Anastasia. <Ich wollte mich heute Nachmittag mit meinem Onkel Karl-Wilhelm zum Tee treffen.>

<Ja ja Prinzessin, das wird wohl ausfallen müssen. Es sieht so aus, als ob wir gerade mächtig unterwegs sind, mächtig schnell. Haltet euch fest!> erwidert Papa Joe.

<Dann fliegen wir richtig in den Weltraum?> fragt Chris.

<Ja, das ist schon möglich, doch hoffe ich es nicht> schreit Papa Joe gegen den Lärm. <Er muss, ja nicht zum Mond oder zu einem anderen Stern fliegen, sondern einfach wieder zurück auf die Erde. Nur eben an einen anderen Teil der Erde. Aber soweit ich weiss, ist Doggenmark nicht so weit entfernt, dass der Hund deswegen eine Weile im Weltraum fliegen müsste.>

<Schauen wir einmal nach draussen, es muss doch Fenster geben.> erhebt Prinzessin Anastasia ihre Stimme, steht auf und sucht nach einem Ausguck.

<Aber wenn die Rakete ganz weit oben fliegt> fängt Chris an zu reden, <dann schwebt die Rakete. Wieso schwebt man dann in der Rakete?> wundert sich Chris.

<Weil die Erde schon zu weit weg ist, ist die Erdanziehungskraft nicht mehr vorhanden. Dann ist man im Weltraum. Also weisst du, Materie…>

<Ist das so, wie ein Magnet?> fragt Chris. <Wenn wir zu weit oben sind, dann geht der Magnet nicht mehr?>

<Richtig! Materie funktioniert für alles, wie ein Magnet für Eisen. Und weil die Erde ziemlich gross ist, zieht sie uns nach unten. Das ist eine Eigenschaft der Materie. Wir wissen nicht genau wieso, aber so ist es eben. Und das zieht uns nach unten. Im Weltraum ist man zu weit von der Erde weg, deshalb ist keine Anziehung mehr da.

<Das ist so cool, wenn wir überall hin, durch die Luft schweben> ruft Valentina, <dann können wir in der Luft rennen.>

<Nun es ist schwierig in der Luft zu rennen,> antwortet Papa Joe <denn Du musst dich ja irgendwo wegstossen, damit Du vorwärts kommst. Aber in der Luft ist nichts da, von dem du dich wegdrücken kannst. Man muss sich irgendwo festhalten können, um sich davon abzustossen.>

<Oh, ja, stimmt. > sagt Valentina, ist aber schon beim nächsten Gedanken. <Aber, das wäre in der Schule cool.>

<Dann fliegen ja die Bleistifte auch!> ruft Chris dazwischen.

<Ja, und auch der ganze Pult!> quietscht Valentina vor Überraschung.

<Ja, alles fliegt oder schwebt dann.> kommentiert Papa Joe.

<Dann kann man ganz schnell hoch fliegen und wieder runter! Ich springe dann auf und ab zwischen der Decke und dem Fussboden!> jauchzt Chris.

<Oh, oh, das wird aber deiner Lehrerin nicht gefallen, Chris!>, ruft Valentina. Alle lachen für einen Moment.

<Wisst ihr, weshalb Astronauten immer alles mit einem Strohhalm trinken?> fragt Papa Joe.

<Wieso, trinken die nicht aus einem Glas oder Tasse?> fragt Chris.

<Nun, weil Sie nichts in eine Kaffeetasse reintun können, das dann da drin bleibt.> meint Papa Joe.

<Sonst schwebt das Kaffeewasser wieder nach oben?>

<Ja, sonst geht es einfach wieder raus. Es bleibt nicht drin. Es schwebt dann in der Luft, wie alles andere auch!>

Valentina und Chris fangen an zu begreifen. <Toll. Können wir das mal machen? Tee ausleeren, dann kann man in der Luft trinken!>

Symposion

Die ganz große Feier,
(wer nicht dabei ist,
ist selber schuld;o)
Symphonie in Rot und Gelb,
Millionen bunter Blätter
tanzen mit uns und
die große Zusammenkunft,
zum ganz großen Fressen,
zum ganz großen Saufen,
(Ihr werdet nicht mehr
auf den Beinen laufen!)
Ein Symposion – Schluss mit dem Plagen!
Eine Symphonie in Gelb und Rot;
Herbst, (wie soll ich es anders sagen,)
das heißt: Feiern bis in den Tod!

An Nietzsche

Lass Dein wütendes Bellen gegen die Wände;
damit lockst Du keinen Ofenhund hervor.
Gegen Deine gellenden Frageschreie
antworte ich mit dem Zuschlagen Deines Buches.

Glaubtest Du damit Schläfer zu wecken?
Du grosser Verehrer dieses Goethes der
Mittelmäßigkeit. Zwar sind Deine Fragen gut,
doch besser ist Dein Hammer,

der die Antworten der Kultur zertrümmert;
das Beste aber, ist Deine sich zu Tode
siegende Rechtschaffenheit.
(diese, der Stolz eines jeden guten Bürgers!)

Und was bist Du denn?
Mein einsamer, rechtschaffener Finder
von Wahrheiten? „Nur Narr, nur Dichter.“

Trotz allem fühle ich Deinen Fluch,
dieses Vakuum des Seins: „Die Wüste wächst.
Wehe dem der Wüsten birgt.“

Die Sanduhr zweier Falschfahrer

Irgendwann wacht man auf, erschrocken darüber, dass sie plötzlich vor dem inneren Auge schwebt und eigentlich immer schon da war, lief und lief, ohne, dass man sie bemerkte. Dann schaut man an sich hinunter und fühlt sich fremd im eigenen Körper, man blickt in den Spiegel und entdeckt an sich das Alter. Das ist der Moment der Wahrheit, in dem sich entweder die Blüte zur Frucht wandelt oder sie tot zu Boden fällt und jede Lebendigkeit dem eigenen Blick auf die Welt entweicht. Das Merkwürdigste an diesem Moment ist jedoch, dass man im eigentlichen Sinne gar keine Entscheidung mehr trifft, sondern die im Leben vorgelaufene Sanduhr schon den Richterspruch auf den Lippen führt. Wie schon formuliert ein Moment der Wahrheit und nicht der Entscheidung. Frucht oder …

Stopp!!!

Was wird das denn hier – ein wahrlich erschreckender Start für einen neuen Blog, abschreckend, puh. Hier soll wohl das Grauen Grauliches graulen. Mitnichten! Der Herkunft nach treffen die Zeilen allerdings  ganz gut, in welcher Situation sich die beiden Autoren dieses Blogs befinden. Sie führen eine Entscheidung herbei, wo gar keine Entscheidung mehr zu treffen ist. Schauplatz für den Scheideweg war die Schweiz, zwischen Fribourg und Murten, am letzten Wochenende. Beschaulich, beschaulich doch in den Köpfen zweier alter Freunde, die sich in ihrem Studium während eines Seminars über Friedrich Nietzsches „Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben“ kennen gelernt hatten, ratterte es gewaltig. Wohin mit den Worten, flüsterte es, wohin? Zwischen dem Alltag und dem Beruf gab es keinen Platz mehr für sie. Die Luft zum Flüstern schien abgeschnitten. Ganz im Sinne Adornos verstellt diese Welt und sie trachtet gegen das zu laufen, womit wir uns identifizieren.

Es musste ein Ausweg her, wir nennen es bescheiden einen Kompromiss – dieser Blog.

Was bietet dieser Blog? Viele Worte, Gedanken und Spuren; Monologe, Dialoge und wer weiß, Multiloge; Altes, Bekanntes und Neues; Philosophisches, Literarisches und Poetisches; Fragmentarisches, Aphoristisches und Essayistisches; Verständliches, Unverständliches und Idiosynkratisches, psst, wir flüstern gänzlich unbescheiden und mit dem richtigen Sinn für Ironie: ein neues Athenäum.