Herbst oder die Liebe zu Moll

Nun schläft dein Herz,
der Kreislauf kommt zur Ruh‘,
es bleibt ein kalter dumpfer Schmerz,
Du winkst den Abschied aus der Ferne zu.

Lass mich Dich noch einmal ganz fest drücken,
mein Herz fühlt sich so leer und wund,
möchte Dir noch eine Blume pflücken
von bald verschneitem Grund.

Doch verblüht sind schon die roten Rosen,
die grüne Pfefferminze liegt so welk,
verblüht auch die milden Herbstzeitlosen,
ohne Dich ist nichts mehr in der Welt.

So wandre ich ruhelos durch stumme Wälder,
und suche Dich und Dich allein in allem,
und rufe nach Dir bei weiten, kargen Feldern,
doch finden mich nur Blätter, die von Bäumen fallen.

Manchmal, im gefall‘nen Blatt erscheinst Du mir,
dann hauch‘ ich deinen Namen, wie ein Kind,
– bin in Gedanken so voll von Dir –
das im Traume spricht und zu Dir find‘.

Warum bist Du jetzt so ferne nur?
Musstest Du denn wirklich geh‘n?
Mein Herz und das Deine sind derselben Natur;
Ich mag nicht mehr warten aufs Wiedersehn.

Es ziehen die Tage und Wochen dahin,
das Harren nagt und nagt nur deinetweg‘
ich lebe einsam und suche nach dem Sinn,
und denke viel und finde keinen Ausweg.

Ich bin auch dankbar für die Einsamkeit
und für die dunklen, stillen Tage,
es ist ein Schmerz im Herz ganz weit,
dass ich es kaum noch ertrage.

Doch will ich nichts andres tun,
und werde bis zum Unsinn handeln,
ich zerre an ihm, ohne zu ruh’n;
da fängt er an sich zu wandeln!

Der Schmerz beginnt zu schäumen,
und alle Hoffnungen fahren dahin,
wie fallende Blätter von den Bäumen
und Gegenwart wird bald Gewinn!

Nun dringt durch die Kehle ein dunkles Gebrüll
und ich werde enttäuscht vom ewigen Leide
und zu mir kommt das lebendige Gefühl
der süßen, so schmerzlichen Freude.

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Shark Mule
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