Mit Geist und Buchstaben

Altes Ziegeldach

A

Etwas moosbewachsen und schief, in Rottönen, zwar in Reih und Glied, aber nimmermehr gerade und stramm, sondern menschlich, freundlich und parat mit einem Schatz an Geschichten.   Hinterm Fürst zeigt sich auf dem Kreuz der Wetterhahn und etwas rechts davon eine Baumkrone, blätterlos und zittrig.   Viele Schneeflocken besuchen es gerne, meist bleiben sie nicht lange, aber ab und an ruhen...

Für einen alten Freund

F

Du Verirrtes, bist gefallen, herumgewirbelt, tänzelst unter tausend Brüdern und Schwestern über den Asphalt. Wir heben Dich auf, bewahren Dich, schauen durch Dich hindurch zum Mutterbaum und sehen im Morgentau des lichten Tags, kristallglitzernd, Deinen Lebenskeim beflügelt.

Blätter

B

Wenn der Herbst auf leisen Sohlen langsam mit dem Schritt der Zeit durch die schwankend-hohen Blätterkronen bunt und müd zur Erde eilt; Und dieses Eilen, das nun keins mehr ist ein Fallen schon, doch lieber wollt es weilen im lichten Raum, der durch die Lüfte bricht und freudig auf der Stelle bleiben. Doch nichts ist stetig, nichts ist gleich, alles ist ein kommend geh´n, am Anfang schwer, am...

Symposion

S

Die ganz große Feier, (wer nicht dabei ist, ist selber schuld;o) Symphonie in Rot und Gelb, Millionen bunter Blätter tanzen mit uns und die große Zusammenkunft, zum ganz großen Fressen, zum ganz großen Saufen, (Ihr werdet nicht mehr auf den Beinen laufen!) Ein Symposion – Schluss mit dem Plagen! Eine Symphonie in Gelb und Rot; Herbst, (wie soll ich es anders sagen,) das heißt: Feiern bis in den...

An Nietzsche

A

Lass Dein wütendes Bellen gegen die Wände; damit lockst Du keinen Ofenhund hervor. Gegen Deine gellenden Frageschreie antworte ich mit dem Zuschlagen Deines Buches. Glaubtest Du damit Schläfer zu wecken? Du grosser Verehrer dieses Goethes der Mittelmäßigkeit. Zwar sind Deine Fragen gut, doch besser ist Dein Hammer, der die Antworten der Kultur zertrümmert; das Beste aber, ist Deine sich zu Tode...

Abschied

A

Abschied, das ist,
wie Sichelmond über rotem Berghorizont.
Grün wächst der Wein auf den Terrassen.
Ich hasse Trennungen,
als ob dabei ein Stück meiner Selbst stürbe.
Schmerzliche Sehnsucht
spannt Seile zwischen den Sioner Burgen
und dem blanken Mond.
Aber auch dieses Glück verrinnt hoffnungslos
im roten Meer der Zeit.
Niemand schüttelt zweimal dieselbe Hand.

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