Drei Gleiche

Es laufen die verwunschenen Träume auf Meilenstiefeln durchs Labyrinth in Jedermanns-Stadt. Zu eng gedrängt der Kopf zwischen Mauern, Bildern und dem Bauch, den man sich füllen muss. So reagiert‘s im Reich des Überfluss, schafft Spaß-Gesellen-Leid und treibt entgegen allen guten Wünschen der eignen Selbstverzerrung bei. Und niemand pocht aufs Träumen wohl, das Laufen zu erlernen.


Zölibat des Lebens auferlegt im Dunst gebrochener Gedanken, vergrößert im Aug des Herren Angst, zur Dankbarkeit getrieben, im Zögern, Hadern, das doch nichts passiert, was Begehren schürt, so die Lust im Bett der Ewigkeit zu liegen und die Freiheit, den Moment zu lieben.


Was rätst du mir, du, der du aus sicherer Entfernung meine Frage hörst, jetzt, wo die Bohlen der verinnerten Zeit längst gebrochen sind und der Gedanke keine Obhut mehr erfährt. Sag es mir, der du schluckst und deine Augen zu Boden senkst, du schamentbranntes Tier, du Zweigesicht, sag mir, weshalb du Mitleid hast?

House in the woods (to a friend)

The wind has taken me so long,
digging in a world of colliding stripes,
showing blood on human manners,
all the tears of unknown dead.
I got lost, got fallen apart.

You are raising the sounds of nameless claims,
assembling my straggled pieces to a pair of wings;
they fly, they bear with me,
to set a new direction,
where a stone became a pansy,
an empty sheet transformed into the bluest fairy-wren.

Here with you, down in the woods,
a novel heart was born into the ground,
near the lake, the waterfall,
the beauty we have seen,
you are my house
opening my eyes on shades of love.

Die Herberge zur Vernunft

In drei Welten verfangen,
ein Vater weist sein Kind zurecht,
die Nabelschau gekreuzigter Seelen,
liebend, hoffend, unverstanden,
gerichtet der Blick zur Uhr,
diese Leiter empor,
rastlose Fragmente zu Fußspuren geklaubt,
ein Bluff auf halbem Wege:
Im Haushalten der Kräfte ein Lagerfeuer der Einsicht,
bar die Hand zur Einkehr,
dass sich der Grund selbst nicht versteht.

Who will be next?

Blinkend die Verstörer,
greif zu,
gib dem Teddy eine Chance.
Die Hunde rennen brav, so räudig,
Wetten steht heut‘ hoch im Kurs,
und im Hirn brät die Karte Meter hoch.
Wohin jetzt?
Ach, du Mensch, du Tier,
„Hallo!“, das ist tot.
Die Straße diagonal gekreuzt,
das Flackern, die Flecken,
Rauch zieht auf.
Die Jäger haben das Wild gelegt,
blutig quillt Innerstes auf verklebten Asphalt,
Hirnkadaver serviert.
„Nächster, bitte!“,
dröhnt es aus den Monsterärschen dieser Welt.

Quelle: Welcome to Tasmania, the roadkill capital of the world

Treibholz

Wellen schlagen hart aufs Land,
tosend die See sitzt zu Gericht,
was trieb sei zum Ufer gereicht,
ergraute Trümmer,
Scheite, Splitter, Äste,
krepiert im feinen Sand,
Tote nach letztem Gefecht.

Gib Ihnen ein Menschenbild.

Getrieben sind auch wir,
haben Schiffe gebaut,
an sichere Häfen geglaubt,
uns im Navigieren geübt,
die Freiheit der Wahl zelebriert
und sind doch allzu oft gestrandet,
über geschichtete Wellen gebrochen.

Sieh‘ da,
die Knochen, Stummel, Stumpfe,
unverbesserlich,
die Spuren im Sand,
fürs große Spiel geopfert,
gemartert von Macht und Gier.

Ein Vogel singt vom Mast hinab:
Gib‘ acht, die Meere werden rauer.

 

Lob des Reisens

Gewohnte Sichten, alte Mühlen,
Tag ein Tag aus das gleiche Spiel,
von Hand gedreht die Münzen,
beschwichtigt mit Lieb und Brot.

Abnormal ist zu entscheiden,
zu brechen gar mit Jubellied,
das Sehnen, was das Herz dir sagt,
mach‘ schnell und kehr es weg.

Wir singen hier ein anderes Lied
und sind entschieden, gedrehtes Spiel,
wir gehen fort, wir fliehen,
und sind bereit, für Aufbruch zu stehen.

So sieh das Herz erblühen,
den Reiz der Tat entstehen
und liegt der Plan im Nebel,
Reisen weist den Weg.

Blickst du zurück aufs Scheiden,
wie kostbar die Umarmung,
wie rein die Augen funkeln,
die Geweihe sind jetzt abgelegt.

Ganz unbewohnt die Gunst der Stunde,
seltsam das Antlitz des großen Moments,
offengehalten mit allem Ersinnen,
tief verwurzelt die Erinnerung.

Mutter geworden im Verschmelzen,
wach und reich erhoben,
mäandert umschlungen und reflektiert,
atemlos, hast die Verlorenheit geliebt.

Ungezwungen hast Fährten gelesen,
neue Sitten studiert, die Falten verstanden,
und im Entdecken tief verborgener Schätze
bist ein Seelenmensch geworden.

Welch‘ weiterer Pfad nun auch gesteckt,
Besinnung hat den Schritt gewagt
und ist Eintracht zur Rückkehr gekommen,
die Liebe zum Reisen war der Weg.